↗ Georg Fischer
↗ Dr. Bernhard Knies
↗ Wolfgang Senges
↗ Martin Butz
↗ Constanze Kurz


Constanze Kurz

Chaos Computer Club, Berlin

Kulturwertmark und digitale Allmende

Constanze Kurz

Der Chaos Computer Club hat eine Idee entwickelt, die den Stellungskrieg in der Diskussion um die Vergütung geistiger Werke beleben soll: Dem Nutzer sollen virtuelle Wertmarken an die Hand gegeben werden. Diese „Kulturwertmark“ kann jeder nach Belieben im Netz den von ihm bevorzugten Künstlern zukommen lassen. Je mehr der Wertmarken der Künstler auf sich vereinigt, desto höher fällt seine Bezahlung aus. Überschreitet aber die Wertmarken-Vergütung für ein Werk eine bestimmte Grenze, dann fallen die Rechte an dem Werk in die digitale Allmende.

Dies ist in ausgesprochen verkürzter Weise die Idee der Kulturwertmark. Warum das Konzept aufgehen kann und wie die Details aussehen sollen, erläutert der Vortrag.

Constanze Kurz, Jahrgang 1974, ist Informatikerin und arbeitet an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin am Forschungszentrum »Kultur und Informatik«. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Überwachungstechnologien, Ethik in der Informatik sowie Wahlcomputer. Sie ist Sprecherin des Chaos Computer Clubs und technische Sachverständige der Enquête-Kommission »Internet und digitale Gesellschaft« des Deutschen Bundestags.


Martin Butz

Art 2.0, Köln

Kreativität und Aneignung:

Vom Eigensinn in einer kolonialisierten Welt

Georg Fischer

"Eigentum ist kein Ding und es ist auch keine Herrschaft über eine Sache, es ist vielmehr eine Beziehung zwischen Menschen bezüglich einer Sache" (Sabine Nuss). Geistige Eigentumsrechte regulieren demnach die Beziehungen zwischen Menschen bezüglich kreativer Schöpfungen.

Wesentlicher Bestandteil von Kreativität ist die Fähigkeit vorgegebene Deutungsmuster und Gebrauchsanweisungen zu ignorieren, herauszufinden, worin der eigene Bedarf besteht und die Welt dementsprechend selbstbewusst (mit) zu gestalten. Oder anders: Kreativität beinhaltet immer eine Form der (Wieder-)Aneignung, die das Selbst behauptet.

Der Vortrag beleuchtet die Grauzone zwischen rechtlich erlaubtem Gebrauch und zuweilen rechtswidrigem aber emanzipatorisch-fortschrittlicher Aneignung und sammelt dazu Beispiele aus Kunst und Alltag, erster und dritter Welt, analogen und digitalen Räumen."

Martin Butz, Jahrgang 1964, Ausbildung zum Farblithograf, Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Philosophie und Musikwissenschaft an der Universität zu Köln (M.A.) und University of Northumbria, Newcastle upon Tyne; Geschäftsführer sym.net, Köln; Mitinitiator und Organisator der art 2.0, Initiative zum digitalen Wandel; Publizist und Vortragender zu den Themenfeldern Kunst und Kultur im digitalen Zeitalter.


Wolfgang Senges

Creative Commons Collecting Society, Berlin

C3S: Verwertung von Musik unter Creative Commons

in einer Verwertungsgesellschaft

Wolfgang Senges

Warum ist eine Verwertungsgesellschaft ein sinnvolles Element auch im Kontext von CC? Wie soll ein solches Konzept funktionieren? Gibt es überhaupt eine Nachfrage bzw. warum gibt es eine solche VG noch nicht? Und - was passiert mit der GEMA-Vermutung?

Wenn auch bislang relativ unbemerkt, gibt es Bestrebungen zur Gründung einer CC-Verwertungsgesellschaft, jenseits von Business-Modellen wie Jamendo und restorm/rightclearing. Konsequenterweise ist der Ansatz international.

Der Vortrag zeigt, dass CC und Gewinnorientierung sich für Künstler nicht ausschließen. Es wird ein erstes Konzept einer CC-VG vorgestellt, auf Problemstellungen wird hingewiesen und die nächsten Schritte erläutert.

Interessant ist der Vortrag auch vor dem Hintergrund, dass am 4. November mit Motor erstmals ein großes deutsches Label ein physikalisches Release unter Creative Commons veröffentlicht: das Album 'Digital Guilt' von Zoe.Leela.

Wolfgang Senges ist Berater für unabhängige Künstler und Startups im Umfeld Musik & Medien. Seine Arbeit konzentriert sich auf die strategisch effiziente Nutzung von Online-Werkzeugen, die Ansätze aus Free Culture und Musik-/IT-Wirtschaft verbinden. Neben seiner Tätigkeit als Kurator der all2gethernow Music & Culture Convention (a2n) ist er Mitinitiator der Creative Commons Collecting Society (C3S). Er bloggt unter ContentSphere.de sowie seit Juni gemeinsam mit Marcel Weiß auf neumusik.com. Zu seinen Kunden zählen u.a. pierlane GmbH (Songpier.com), Zoe.LeelA und Martin Atkins.

http://www.a-2-n.de
http://www.contentsphere.de
http://www.neumusik.com


Dr. Bernhard Knies

new-media-law.net

Technische und rechtliche Aspekte des Filesharing

Dr. Bernhard Knies

Der Vortrag gibt einen generellen Überblick über die technischen Aspekte der Tauschbörsen sowie Ansätze einer juristischen Bewertung des Filesharing. Auch die im „Kampf gegen die Raubkopierer“ üblich gewordenen Abmahnungen sollen hier von allen Seiten beleuchtet, Probleme aufgezeigt und Lösungsansätze diskutiert werden, mit denen man sich als Konsument einer solchen Abmahnung zur Wehr setzen kann. Zum Schluss wollen wir einen kleinen Ausblick auf die Zukunft des Filesharings wagen.

Dr. Bernhard Knies ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht mit Tätigkeitsschwerpunkten in der Beratung im Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht, in allen Bereichen des IT- und IP-Rechtes, im Markenrecht, Internetrecht und Wettbewerbsrecht.


Georg Fischer

jaegerundsampler.net, Berlin

Sampling als kreative Praxis?

Georg Fischer

Sampling hat in der populären Musik einen zweifellos merkwürdigen Stand: als Produktionsmethode im Studio gang und gäbe, in manchen Spielarten wie HipHop oder elektronischer Tanzmusik geradezu Grund legend, in der öffentlichen Meinung jedoch bisweilen als kruder Ideenklau verschrien und tabuisiert. Für die Deutung des Phänomens Sampling wurden bereits verschiedenartige Sichtweisen angeboten, die ihrerseits bestimmte Aspekte in den Blick nehmen.

Sampling wurde beispielsweise beschrieben als "künstlerisches Verfahren" (Frieder Vogel) oder als "anarchische Methode" praktisch umgesetzt (Holger Czukay), sowie als "Praktik des Sekundären" (Susanne Binas), als "Zitatapparat" (Nicola Duric) oder gar als die "Kulturtechnik der Postmoderne" (Jochen Bonz) interpretiert. Über den kreativen Gehalt samplingbasierter Musik lassen sich jedoch kaum Einschätzungen finden oder eine kreative Eigenleistung wird von vorn herein negiert ("Plagiat"). Im Vortrag soll daher, anschließend an aktuellen Konzepten aus der Kreativitätsforschung und eingebettet in die Debatte von Originaliät und Nachahmung, die Frage gestellt werden, ob und in welchem Zusammenhang Sampling als kreative Praxis verstanden werden kann.

Georg Fischer studiert Soziologie und Musikwissenschaft in Berlin und schreibt seine Diplomarbeit über Sampling als kreative Praxis; in Begleitung zu seiner Diplomarbeit betreibt er ein Blog und hat für den Berliner Radiosender BLN.FM eine sechsteilige Radiosendung erarbeitet. Daneben schreibt er für das Wiener Musik- und Kulturmagazin SKUG. Homepage: http://jaegerundsampler.net